„Ich habe eine gute Kopplung zu meinem Bauchgefühl“

Sofa Sounds- Das Interview mit Singer Songwriter Jan Weis

 

Jan Weis veröffentlicht am 14. September 2018 sein neues Album „Reason, Sinking and Remain“ und schon heute könnt Ihr die neuen Songs bei der Release Party in Wallys Irish Pub in Saarbrücken live hören. Im Interview erzählt Jan, wie die Platte entstanden ist und was sich im Vergleich zu seiner vorangegangenen EP verändert hat.
Du hast 2016 die EP „The Seizure of Fortune“ veröffentlicht und am 14. September 2018 erscheint Dein Album „Reason Sinking and Remain“. Wie hat sich die Arbeit seit der EP entwickelt?

Bei meiner EP war alles etwas experimenteller, man hört mehr Synthies. Ich habe mich da mehr ausprobiert. Hab Songs geschrieben und dann wurde alles aufgenommen. Die besten Songs hab ich dann auf die EP gepackt. Bei meinem neuen Album ist das nicht mehr so. Ich habe in eine Richtung geschrieben und dann hat das allen einen Geist von Konzept bekommen. Ohne, dass ich es wollte. Ich habe aber gemerkt, dass es bei allen Songs darum geht, dass man das Schicksal in die Hand nehmen soll und nach vorne schauen soll. Ich wollte eigentlich kein Konzeptalbum schreiben, das hat sich so ergeben.

Du bist seit letztem Jahr Leiter der Schreibwerkstatt Sommerakademie in Riegelsberg? Was macht man als Leiter einer Schreibwerkstatt?

Diese Schreibwerkstatt wurde letztes Jahr von der Künstlerin Brigitte Weiand ins Leben gerufen. Da kann man vieles machen. Nicht nur schreiben, sondern auch backen oder fotografieren. Ich hab dann das Schreiben übernommen. Dann hab ich da ungefähr zehn Personen jeden Alters, die zu mir kommen, um zu lernen, wie man sich zum Schreiben motiviert. Dann geht es darum, Kurzgeschichten zu schreiben. Viele haben oft das Problem, einfach loszulegen und sich zum schreiben zu motivieren. Es geht darum, Methoden zu finden, wie das besser funktioniert. Ob man zum Beispiel Kerzen anzündet oder Musik hört.

Du hast das Handwerkszeug zum Schreiben und hast u.a. Germanistik studiert, wie motivierst Du Dich denn zum Schreiben, gibt es das Tipps, wie Du vorgegangen bist?Hast Du Motivationshilfen gebraucht?

Ich hab eine gute Kopplung zu meinem Bauchgefühl. Es gibt Wochen oder Monate, das passiert einfach gar nix. Dann gibt’s zwei drei Phasen im Jahr, die muss ich dann nutzen. Ich fühle dann „Jetzt kommen die Songs“. Diese Phasen nutze ich dann auch und beginne zu schreiben und dann sind die Songs in ein paar Minuten geschrieben.

Wenn jemand Germanistik studiert hat und sich auch viel mit dem Schreiben beschäftigt, dann fragt man sich, wie handwerklich derjenige bei seinen Songs vorgeht. Wie viel Handwerk ist in Deinen Songs und wie viel ist spontan entstanden?

Als ich angefangen habe, Songs zu schreiben, war das fast nur Intuition, das ist jetzt nicht mehr so. Mittlerweile ist viel Handwerk drin. Vor einem Jahr war das noch so: Ich hatte diese Momente und habe dann begonnen, zu schreiben. Dann war der Song fertig und ich wusste, ich kann den jetzt aufnehmen und auch live spielen und das funktioniert. Jetzt ist es eben so, dass ich die Songs vorab aufnehme und höre, wie sie sich anhören. Während des Anhörens merke ich dann, was ich noch verbessern kann. Ich würde es Nachbearbeitung nennen. Ich nehme nicht mehr einfach nur noch das, was aus mir raus sprudelt.

Wie fühlt sich das aber für Dich an? Gibt es Momente, in denen Du denkst, dass Du gerne lieber wieder spontaner ans Schreiben ran gehen würdest?

Für mich gehört das jetzt einfach zusammen. Dieses Studium zum Beispiel hat sich in mein Leben geschoben. Ich hab erst mit 25 Jahren mein Abi nachgeholt und dann kam das Studium. Bis dahin war ich ziemlich perspektivlos. Ich war es nicht gewohnt, nach einem Plan etwas abzuarbeiten. Und so war das auch mit meinen Stücken. Ich habe Gedichte oder Tagebuch geschrieben und dann hat sich erst nach und nach die Musik entwickelt. Ich habe erst probiert auf Deutsch zu singen. Das hat sich grausam angehört. Mit Englisch hat es dann geklappt. Jetzt ist es einfach etwas professioneller geworden und ich merke, wie die beiden Seiten von mir zusammen kommen. Die systematische Seite und die intuitive.

Im Gegensatz zu der EP präsentierst Du Deine Musik nicht mehr nur mit Stimme und Gitarre. Man hört unter anderem Drums, Klavier oder Bass. Wie hast Du das eingespielt, waren da noch andere Musiker dran beteiligt?

Zum einen hatte ich noch alte Samples, die wir mal eingespielt haben. Für das neue Album habe ich mir einen Bass geliehen und eingespielt. Ich konnte auch noch ein bisschen Schlagzeug spielen. Ich habe das alles selbst eingespielt.

Auf Deiner Homepage beschreibst Du Deine Musik mit den Worten: Soul mit Folkeinflüssen beziehungsweise fühlt es sich an, als seien es Country Songs mit dem Geist des Pop. Wenn man sich diese Platte anhört, dann merkst man schnell, dass da noch viel mehr ist. Da ist Blues, da ist Rock’n’Roll und auch Jazz. Würdest Du nach diesem Album den Text auf Deiner Homepage ändern wollen?

Da ich ziemlich faul bin, würde ich den Text erst mal so stehen lassen (lacht). Ich glaube, es ist sinnvoll, ein Konzept von sich bekannt zu geben. Erst einmal will ich sagen, wo es im Großen und Ganzen hingeht. Ich würde aber behaupten, dass jedes Lied auf meinem Album nach seinem eigenen Stil verlangt.

Das Album heißt „Reason, Sinking and Remain“? Was beschreiben diese Worte auf Deinem Album?

Zunächst geht es um die Macht des Verstandes. Das ist „reason“. Es geht darum, wie diese Macht des Verstandes über dem Bauchgefühl steht. Das steht auch immer wieder für Angst, Angst vor dem Ungewissen. Man versucht immer alles rational zu erklären und „verdenkt“ so vieles.

„Sinking“, da geht’s um Untergang. Der Song, der das ganz gut beschreibt ist „Revelation“. Es geht in dem Song darum, dass jeder im Leben ja mal einen Abstieg macht und dann etwas ganz Unvorhersehbares passiert, was einem die Möglichkeit gibt, wieder hoch zu kommen.

„Remain“ da geht es um Beständigkeit oder Weiterbestehen.

 

Deine Platte wird über Nikasounds veröffentlicht. Wie war die Zusammenarbeit mit Nika?

Das war hervorragend. Nika hat viel Ahnung von dem Business und kennt sich in der Musikwelt hier in der Region aus. Nika kann sehr systematisch handeln und sie ist auch eine sehr gute Freundin geworden.

 

 

 

 

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